Die Abschlüsse an Waldorfschulen


An Waldorfschulen können in der Regel alle staatlichen Schulabschlüsse gemacht werden.

Es ist das Ziel der Waldorfschule, allen Kindern einen staatlichen Abschluss zu ermöglichen. Deswegen werden an Waldorfschulen neben dem Waldorfschulabschluss auch alle staatlichen Abschlüsse angeboten.

Diese Abschlüsse können an den umliegenden Waldorfschulen Otterberg, Frankenthal, Mannheim und Karlsruhe erreicht werden. Nach welcher Jahrgangsstufe ein Abschluss erreicht wird, hängt von den einzelnen Waldorfschulen ab. In der Regel können folgende Zeiten anberaumt werden:

Hauptschulabschluss nach Klasse 10 oder Klasse 11

 

Am Ende der 10. Klasse bzw. Klasse 11 kann jeder Schüler neben dem Jahreszeugnis eine Noten-Übersicht erhalten. Aus dieser Übersicht ist die Gleichwertigkeit mit dem Hauptschulabschluss zu entnehmen. Sie wird dem Schüler und seinen Eltern auf Antrag bekannt gegeben und dient als Grundlage für die Erstellung eines Zeugnisses, das dem staatlichen Schulamt zur Anerkennung vorgelegt wird. Zusätzlich muss in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch je eine benotete Klassenarbeit aus dem letzten Quartal der 9. Klasse vorgelegt werden. Beides -  Zeugnis und Klassenarbeiten - muss einen gemäß den Anforderungen des Waldorflehrplanes zumindest ausreichenden Leistungsstand aufweisen.

Realschulabschluss nach Klasse 12

 

Der Abschluss der Mittleren Reife findet in der 12. Klasse, nach einer für die Waldorfschulen erstellten Prüfungsordnung, statt. Es gibt eine schriftliche und eine mündliche Prüfung. Die schriftliche Prüfung umfasst:

 

- einen Deutschaufsatz (vier Themen zur Auswahl)

- eine Mathematikarbeit, wobei bei der Erstellung der Aufgaben teilweise der Lehrplan

  der Waldorfschulen berücksichtigt wird, und

- im Fach Englisch ein Diktat und eine sogenannte erweiterte Textaufgabe.

 

Die in der 12. Klasse unterrichtenden Lehrer korrigieren und bewerten die Arbeiten. Die Zweitkorrektur und die Endbewertung werden jedoch von Lehrern einer staatlichen Realschule vorgenommen. Diese führen auch den Vorsitz bei den mündlichen Prüfungen.

Die Prüfungsaufgaben für die mündliche Prüfung werden von den Fachlehrern der Schule gestellt.

Jeder Schüler kann sich darüber hinaus freiwillig in den schriftlich geprüften Fächern einer mündlichen Prüfung unterziehen (z. B. wenn er der Meinung ist, sich dadurch verbessern zu können).

Des weiteren kann vom Prüfungsvorsitzenden eine mündliche Prüfung in einem der oben genannten Fächer angeordnet werden.

Waldorfabschluss nach Klasse 12

 

Außer den staatlich anerkannten Schulabschlüssen zu denen gesonderte Zeugnisse vorliegen, machen alle Schüler einen Waldorfabschluss. Hierfür gibt es besondere Qualitätsrichtlinien zu den entsprechenden Oberstufenprojekten, die zum verpflichtenden Unterrichtsangebot der Oberstufenausbildung gehören. Dabei handelt es sich um:

 

- Die Teilnahme an einem Praktikum in der 11. Klasse in der Landwirtschaft oder in einem 

  gewerblichen bzw. Dienstleistungsbetrieb oder in einer sozialen Einrichtung

- Das Anfertigen, Beschreiben und die öffentliche Darstellung einer Jahresarbeit in der 11. oder 12. 

   Klasse

- Die Teilnahme an einem Theaterprojekt in der 11. oder 12. Klasse

- Den Kunstunterricht und die Kunstexkursion in der 12. Klasse

- Die Mitwirkung an einer Eurythmieaufführung in der 12. Klasse (Eurythmieabschluss)

 

Die Praktika der Klassen 9 - 11:

Dem Forstpraktikum in der 9. Klasse und dem Feldmesspraktikum in der 10. Klasse folgt in der 11. Klasse ein ca. zweiwöchiges Praktikum, das nach Wahl des Schülers in einem Unternehmen der Wirtschaft, einer sozialen Einrichtung oder einem landwirtschaftlichen Betrieb stattfindet. Zur Entwicklung von Urteilsfähigkeit, Weltinteresse und Eigenverantwortung, die zu selbständigem Handeln führen, wird der schulische Alltag durch Unternehmungen unterbrochen, die Erfahrungen im konkreten täglichen Leben ermöglichen und zur Auseinandersetzung mit Welt- und Menschheitsproblemen anregen. Hierbei spielt der Einblick in verschiedene Bereiche des gesellschaftlichen Lebens eine wichtige Rolle.

In dem Betriebspraktikum geht es um das Kennenlernen der Arbeitswelt und der in ihr beruflich tätigen Menschen. Das Sozialpraktikum ermöglicht Erfahrungen mit besonderen Lebensschicksalen. Die Bedeutung von Ernährungsfragen und Einblicke in ökologische Zusammenhänge stehen im Mittelpunkt des Landwirtschaftspraktikums.

Abitur nach Klasse 13

 

Das Abitur wird am Ende eines Vorbereitungsjahres nach der 13. Klasse abgenommen und besteht aus einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung.

Die schriftliche Prüfung wird in vier Fächern durchgeführt, davon in zwei Fächern nach den Anforderungen eines Leistungskurses. In den beiden Leistungskursfächern sowie im dritten schriftlichen Prüfungsfach müssen die vom Kultusministerium alle Abiturienten gestellten Aufgaben bearbeitet werden. In den schriftlich geprüften Fach werden die Aufgaben von den Lehrern der Waldorfschule beim Oberschulamt eingereicht und dann den Schülern zur Bearbeitung vorgelegt. Dabei können auch Inhalte des Waldorflehrplanes Berücksichtigung finden.

Folgende Leistungskurs-Kombinationen sind möglich:

 

- Deutsch mit Fremdsprachen oder Mathematik oder Physik oder Chemie

  oder Biologie oder Geschichte.

- Fremdsprache mit Deutsch oder zweite Fremdsprache oder Bildende Kunst

  oder Musik oder Geschichte oder Erdkunde oder Gemeinschaftskunde oder

  Mathematik oder Physik oder Chemie oder Biologie oder Sport.

- Mathematik mit Deutsch oder Fremdsprache oder Bildende Kunst oder

  Musik oder Geschichte oder Erdkunde oder Gemeinschaftskunde oder 

  Physik oder Chemie oder Biologie oder Sport.

 

Welche Kurse an der Freien Waldorfschule  angeboten werden, hängt auch davon ab, welche Möglichkeiten die Schule jeweils hat und welche Kurse für die konkret zu prüfenden Schüler sinnvoll erscheinen.

Die mündliche Prüfung findet in zwei weiteren Fächern statt (5. und 6. Prüfungsfach). Im 7. und 8. Prüfungsfach kann auf eine mündliche Prüfung verzichtet werden. Statt dessen überprüft ein Beauftragter des Oberschulamtes im Rahmen einer Unterrichts-Hospitation, ob der Leistungsstand dem geforderten Niveau entspricht. Was unter „Hospitation“ verstanden wird, ist unter dem Punkt Fachhochschulreifeprüfung erläutert. Es werden dann die vom Fachlehrer vorgeschlagenen Noten übernommen.

Für die Wahl der Prüfungsfächer gelten folgende einengende Vorschriften:

 

- Durch die vier schriftlichen Prüfungsfächer müssen die Aufgabenfelder 

  Sprache (Deutsch oder Fremdsprache), Naturwissenschaft (oder Mathematik),

  Gesellschaftswissenschaft abgedeckt sein; 

- unter den vier Fächern der schriftlichen Prüfung müssen sich Mathematik

  und Deutsch oder eine Fremdsprache befinden;

- Musik, Bildende Kunst sowie Gemeinschaftskunde mit Erdkunde können

  nicht als schriftliches Prüfungsfach mit den Anforderungen eines Grundkurses

  gewählt werden;

- unter den sechs Prüfungsfächern, die Gegenstand der schriftlichen Prüfung

  sind oder tatsächlich mündlich geprüft werden, müssen sich Deutsch, 

  Mathematik und zwei Fremdsprachen befinden;

- unter den Fächern der schriftlichen und der mündlichen Prüfung müssen sich

  das Fach Physik oder Chemie oder Biologie befinden.

 

Diese nicht ganz einfache Regelung soll an einem Beispiel (mit ausgewählten Kursangeboten) dargestellt werden:

Schriftliche Prüfung in:

1. LK Deutsch

2. LK Englisch oder Französisch oder Mathematik

3. GK Mathematik (wenn 2. LK Französisch oder Englisch) oder Englisch 

    bzw. Französisch, wenn 2. LK Mathematik

4. Geschichte

 

Mündliche Prüfung in:

1. GK Französisch oder Englisch oder Mathematik

2. GK Physik oder Biologie

3. Gemeinschaftskunde mit Geographie 

4. Musik