Was wird gelernt?
Obwohl der Lehrstoff der staatlichen Einrichtungen als Kulturgut wesentlicher Bestandteil des Lehrplans ist, hängt vieles davon ab, wie man etwas lernt. Fremdsprachen, Geschichte, Mathematik, Naturwissenschaften und Handarbeiten werden so unterrichtet, dass die vorhandenen oder angelegten Fähigkeiten der Kinder entwickelt und gefördert werden.
Das Entwickeln und Fördern von Fähigkeiten zieht sich durch alle Unterrichtsgebiete, die über die allgemeinen Kulturtechniken hinausreichen: Es sollen jedoch durch künstlerische oder musische Methoden keine kleinen Künstler erzogen, sondern allseitig begabte und entwickelte Menschen herangebildet werden. Das künstlerische Element steht dabei im Mittelpunkt des Unterrichts als entscheidendes Erziehungsmittel, um ein Fundament für eine umfassende und differenzierte Entwicklung der Sinnesfähigkeiten und schließlich für ein waches, verstandesmäßiges Erkennen der Welt zu legen.
In der Waldorfpädagogik spielen die künstlerisch-musischen Fächer eine wichtige Rolle: Malen wird von der 1. Klasse an gepflegt, jedes Kind lernt Blockflöte und – meist ab der 3. Jahrgangsstufe – ein weiteres Instrument. Vom Plastizieren in Ton führt der Weg über das Schnitzen bis hin zu bildhauerischen Arbeiten in Holz und Stein in der Oberstufe.
In der Eurythmie, einem waldorfspezifischen Fach, lernen die Schülerinnen und Schüler, sich geschickt im Raum zu bewegen und zu orientieren. Sie ist vom Kindergarten bis zum Schulabschluss fest im Lehrplan verankert.
Epochenunterricht
In der Waldorfschule werden bestimmte Kernfächer über drei bis vier Wochen täglich in einer Blockstunde unterrichtet, während andere Kernfächer in dieser Zeit ruhen. In diesen Epochen – zum Beispiel Lesen und Schreiben, Deutsch, Mathematik, Biologie, Physik oder Chemie – haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren und sich vertieft mit einem Stoff auseinanderzusetzen.
Fächer wie die Fremdsprachen, die einer kontinuierlichen Übung bedürfen, werden fortlaufend in Fachstunden das ganze Jahr über unterrichtet.
Lehrbücher
In den Epochenfächern wird meist auf herkömmliche Lehrbücher verzichtet. Je nach Situation erhalten die Schülerinnen und Schüler den Stoff direkt vom Lehrer oder erarbeiten gemeinsam Materialien für eigenständiges Arbeiten.
Als Auszug jeder Epoche fertigt jeder Schüler sein Epochenheft an, in welchem die wichtigsten Ergebnisse festgehalten werden. Diese Hefte können individuell gestaltet sein und stellen ein selbstgefertigtes „Lehrbuch“ dar.
